Ostbayerischer Posaunenchortag 1977

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Posaunenchortag

„Musik zu Gottes Lob" — unter diesem Leitgedanken stand am 3. Juli 1977 in Sulzbach-Rosenberg das Ostbayerische Posaunenchortreffen, zu dem über 600 Bläser aus über 50 Chören der Evang.-Luth. Dekanatsbezirke Altdorf, Hersbruck, Neumarkt, Passau, Regensburg, Weiden und Sulzbach-Rosenberg in unsere Stadt kamen. Im Anschluss an einen festlichen Gottesdienst in der Christuskirche, bei dem Dekan Günter Heidecker über einen Text aus dem Buch des Propheten Jesaja die Predigt hielt, gaben die vielen Posaunenchöre auf dem Luitpoldplatz eine große Standmusik, die vor einer imposanten Kulisse von über 2000 Zuhörern zu einem nachhaltigen Erlebnis wurde. Dekan Günter Heidecker führte in seinem Grußwort aus, dass die Posaunenchöre mit ihrer Musik auf die großen Taten Gottes aufmerksam machen wollen, „damit wir sie über all unserem Denken, Planen und Arbeiten nicht übersehen". Die Chöre möchten den Gemeinden und dem ganzen Volk Beistand leisten, damit sie am eigentlichen Sinn des Lebens nicht vorübergehen und dem Leben zur rechten Sinnerfüllung verhelfen. Weitere Grußworte sprachen der katholische Dekan Monsignore Josef Zimmerer, Erster Bürgermeister Hans Göth, Bezirksobmann Hans Stief, Sulzbach-Rosenberg, und zum Schluß der Veranstaltung der Landesobmann des Verbandes evangelischer Posaunenchöre in Bayern, Diakon Richard Flurer, Schwabach.

Es war schon ein großartiges und für die meisten wohl auch ein beglückendes Erlebnis, die Posaunenmusik, von über 600 Männern und auch Frauen und von überraschend vielen jungen Menschen geblasen, zu hören. Wohl alle, die gestern den Luitpoldplatz bevölkerten, nahmen von diesem Standkonzert einen nachhaltigen Eindruck mit nach Hause und dazu die Gewissheit, dass hier Christen aus allen Schichten der Bevölkerung freudig ihren Dienst an den Gemeinden und zum Lob Gottes leisten.

Der Ostbayerische Posaunentag wurde mit einem Festgottesdienst eröffnet, den Dekan Günter Heidecker hielt. Seiner Predigt legte ereinen Text aus dem Buch des Propheten Jesaja zugrunde: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein".

Dekan Günter Heidecker in seiner Festpredigt zum Ostbayer. Posaunentag wörtlich: „Gelten uns diese großen Worte? Viele haben das schon erfahren. Viele haben in ihnen Trost und Hilfe gefunden. Aber können wir sie so ohne weiteres auf uns beziehen? Sie sind dem Volk Gottes zugesprochen und sagen ihm: Gott macht allem Gericht ein Ende. Er vergibt seinem Volk und will es wieder sammeln - aus allen Ländern. Dem einzelnen gelten sie nur soweit, als er sich von ihnen immer wieder in das Volk Gottes rufen lässt". Der legitime Nachfolger des alten Gottesvolkes sei die Kirche, die Gemeinde Jesu, das neue Gottesvolk. Sie sei dafür da, dass die großen Taten Gottes in der Welt nicht vergessen werden, dass sein Lob in unserer Welt nicht verstummt. „In diese Gemeinde sind wir gerufen. Ohne sie erlahmt unser Glaube, erstirbt das Lob Gottes auf unseren Lippen. Das müssen wir uns gerade angesichts des „protestantischen Individualismus" deutlich machen. Wie schnell machen wir uns etwas vor. Wo wir nicht die Korrektur der Brüder haben, wo wir nicht das gemeinsame Hören, das gemeinsame Lob, das gemeinsame Gebet haben, dreht sich unsere Frömmigkeit sehr schnell wieder um uns selbst. Frömmigkeit im Eigenbau endet im Egoismus".

Das sei der Dienst der Posaunenchöre, dass sie Menschen in die Gemeinde rufen, ihnen zum Lob Gottes helfen, auf die großen Taten Gottes hinweisen und die Augen für diese Taten öffnen. Das sei ihr Dienst, dass sie das Volk Gottes, das auch heute in unserer mobilen Welt so zerstreut ist, sammeln. Das sei ihr Dienst, dass sie etwas deutlich machen von der kopernikanischen Wende unseres Lebens, dass die Erde nicht im Mittel punkt des Weltalls steht. Dass sich aber nicht die ganze Welt um uns dreht, übersehen wir oft. Wer in einem Chor mitbläst, hat aufgehört Mittelpunkt sein zu wollen. Da gibt es keine Stars, keine Solisten. Da gibt es nur das gemeinsame Musizieren. Im Mittelpunkt steht das Werk, das Lob Gottes.

Indem die Chöre das den Gemeinden vorleben, helfen sie aus allem Egoismus unserer Frömmigkeit heraus, „dass wir in unserem Glauben ganz auf unseren Herrn Jesus Christus bezogen sind, helfen sie uns, dass diese großen Worte auch uns gelten: Fürchte Dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein ... alle, die mit meinem Namen genannt sind, die ich zu meiner Ehre geschaffen und zubereitet und gemacht habe".

Posaunen verkünden das Lob Gottes

Im Anschluss an den Gottesdienst hatte sich auf dem Luitpoldplatz eine große Menschenmenge versammelt, der nach einer Intrade von Johann Pezelius Bezirksobmann Hans Stief, Sulzbach-Rosenberg, herzliche Willkommensgrüße entbot, die er insbesondere an die über 600 Bläser richtete, die zum Teil von weither angereist waren. Es sei, so Hans Stief, das erste Mal in der 950jährigen Geschichte der alten Herzogstadt, dass ein so gewaltiger Chor das Lob Gottes durch Posaunen verkündet. Stief dankte der Verbandsleitung, besonders Kirchenmusikdirektor Werner Göttle, daß der Ostbayerische Posaunentag 1977 nach Sulzbach-Rosenberg gelegt wurde, und ebenso allen Behörden und Mitarbeitern, die zum Gelingen dieser Veranstaltung beitrugen. Der Bezirksobmann schloss: „Möge Gottes Segen auch weiterhin auf dem Posaunenwerk und dieser Stadt ruhen und alle großen Gefallen an unserem Musizieren finden".

Und das war anschließend auch voll und ganz der Fall. Das Musizieren zwischen großem Chor und kleinen Chören — es wurden alte und neue Bläsermusiken dargeboten — und ebenso das Singen zog jeden der Zuhörer tief in den Bann. Nach einer Eröffnungsmusik von Haffner erklangen so bekannte und beliebte Lieder wie „Geh aus, mein Herz, und suche Freud'", „Ich selber kann und mag nicht ruhn..." oder „Wach auf, meins Herzens Schöne". Dann auch wieder tief religiöse Musik und Lieder: „Dir, Jehova, will ich singen", .„Verleih mir, Höchster, solche Güte ...", „Wohl mir, ich bitt in Jesu Namen.. .", „Lobe den Herrn, meine Seele ..." und zum Schluss „Gloria sei Dir gesungen ..."

Willkommensgruß der Stadt

„Die Stadt Sulzbach-Rosenberg freut sich Sie alle aus Anlass des Ostbayerischen Posaunentages begrüßen zu dürfen", so wandte sich Erster Bürgermeister Hans Göth an die vielen Gäste, die er im Namen des Stadtrates und der Bürgerschaft herzlich willkommen hieß und seiner Freude Ausdruck gab, dass dieses große Chortreffen in der alten Herzogstadt stattfand, die allen Gästen an diesem Tage einen angenehmen Aufenthalt bieten wollte.

„Die Kirche würde aufhören, eine feiernde Gemeinde zu sein, würde ihr Gottesdienst nicht durchströmt sein vom Jubel des Psalmisten: „Singet dem Herrn ein neues Lied, singet dem Herrn alle Lande". Damit zitierte der katholische Dekan Monsignore Josef Zimmerer in seinem Grußwort an die Posaunisten aus dem Psalm 95. Dort, wo das Wort schier versagt, sei es der Klang der Posaunen, der das Unaussagbare verkünde. Dekan Zimmerer schloss: „Es wird nur einmal gewesen sein, daß der Klang der Trompeten die Mauern von Jericho zum Einsturz brachten. Aber wenn Mauern gegen Gottes Botscnaft stehen, möge es dein Klang eurer Posaunen geschenkt sein, Mauern zu stürzen und Herzen aufzubrechen".

Dekan Günter Heidecker wies in seinem Grußwort darauf hin, daß Posaunen den Weg des Gottesvolkes begleiten. Das habe am Berg Sinai begonnen, wo Gott sich im Ton einer sehr starken Posaune offenbart und seinem Volk die heiligen zehn Gebote gegeben habe, nicht zur Einschränkung des Menschenlebens, sondern als Hilfe zum Leben und als Wegweiser, „damit wir das Leben nicht versäumen oder gar leicht fertig selbst zerstören".

Das gehe weiter zu den Posaunen von Jericho, welche auf die große Tat Gottes aufmerksam machen. Denn Gott sei es, der seinem Volk den Weg bereitet auch über unüberwindlich scheinende Mauern hinweg. „Nicht die Posaunen bringen die Mauern zum Einsturz, sie wollen nur andeuten: Jetzt handelt Gott der Herr selbst. Auf seine große Tat weisen sie hin. Das endet bei den Posaunen des Jüngsten Gerichts,welche die Toten vor das Angesicht Gottes rufen".

In diesem Zusammenhang — so Dekan Heidecker — steht das Blasen der Posaunenchöre. Auch sie wollen auf die großen Taten Gottes aufmerksam machen, „damit wir sie über all unserem Denken, Planen und Arbeiten nicht übersehen. Auch Ihr wollt Menschen vor Gottes Angesicht rufen, damit wir heute unser Leben bedenken, es heute an seinen Geboten messen, uns heute vor ihm beugen und seine Vergebung annehmen, damit wir getrost als die von unserem Herrn Jesus Christus Geretteten und Erlösten dem letzten Posaunenschall und dem Jüngsten Gericht entgegengehen können. Vor allem aber wollt ihr helfen zum Lob Gottes. Ihr wollt damit unseren Gemeinden und unserem ganzen Volk Beistand leisten, damit wir am Sinn des Lebens nicht vorübergehen, wollt unserem Leben zur Sinnerfüllung helfen". Denn das sei doch der Sinn des Lebens, dass wir geschaffen sind zum Lobe Gottes, dass wir mit Herzen, Mund und Händen, mit allem, was wir sind und tun, mit einstimmen in dieses Lob.

„Möge Euer Dienst in unserer Stadt dazu beitragen, daß sich uns dieser Sinn unseres Lebens neu erschließt. Möge Euer Dienst in all Eueren Gemeinden und in unserem ganzen Volk weiterhin zu solcher Sinnerfüllung unseres Lebens im Lob Gottes gesegnet sein, schloss Dekan Heidecker seine Ansprache.

„... und bringe Lob mit frohem Mut"

Der Landesobmann der evang. Posaunenchöre in Bayern, Diakon Richard Flurer, Schwabach, sagte in seinem Schlusswort zuerst Dank an Gott, der die Bitte des Liederdichters Knorr von Rosenroth im ersten Vers seines 1684 in Sulzbach gedichteten Liedes freundlich erfüllt habe: „Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerschöpften Lichte ..." Flurer dankte auch der Stadt, die vor dem Rathaus den historischen Rahmen für diesen Posaunentag zur Verfügung stellte, der gastgebenden Gemeinde Sulzbach mit Dekan Heidecker und allen Helfern, die dieses Fest vorbereitet haben, und schließlich allen Posaunisten, den Chorleitern und der Führung des Posaunenchorbezirks für. allen treuen Dienst. Worte besonderen Dankes richtete der Landesobmann an die katholische Gemeinde Sulzbach-Rosenberg, deren brüderliche Verbundenheit in dem Grußwort von Dekan Msgr. Zimmerer zum Ausdruck gekommen sei.

„Sollten einmal die letzten Barrieren zwischen den Konfessionen fallen, dann wäre als Patronin der Posaunenchöre die fromme Hildegard von Bingen zu erwählen. In der Zeit, als die Stadt Sulzbach gegründet wurde, kam sie als zehntes Kind des Grafen Hildebert in Böckelheim an der Nahemündung: zur Welt. Ihre Glaubensstarke und überzeugende Klugheit ließen sie zur Ratgeberin von Kaisern und Königen, Päpsten und Bischöfen werden". Landesobmarm Flurer erinnerte an die Predigtreisen dieser Frau, um die glaubensmüden Gemeinden neu zu erwecken und an die Wirkung, die von ihr ausging: „Sie war wie eine Posaune, die gewaltig tont, weil der Sturmwind Gottes in sie gefahren ist."

Auf den sonntäglichen Ostbayerischen Posaunentag in Sulzbach-Rosenberg bezogen, meinte Landesobmannn Flurer, dass die Menschen solche Höhepunkte der Gemeinschaft brauchen, das Miteinander-Singen und Musizieren. „Wie die fromme Hildegard von Bingen sollten wir aber auch ohne Posaunen Instrumente Gottes sein, aus denen der Atem Gottes tönt". Voraussetzung dafür aber sei, dass die Menschen tun was der Apostel Paulus gesagt habe: „Singet und spielet dem Herrn in euren Herzen. Unsere Posaunen wollen aufrufen zu dem, was bei diesem Posaunentag gesungen wurde: Alles, was Odem hat, rufe Amen und bringe Lob mit frohem Mut".

Mit einem Bläsergruß an die Bürger der Stadt Sulzbach-Rosenberg ging die musikalische Feier der Posaunenchöre zu Ende. Musik, Gesang und gesprochenes Wort werden hier noch lange nachklingen.

Primärquelle: Sulzbach-Rosenberger Stadtnachrichten vom 7. Juli 1977. Artikel archiviert unter 11/1

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